„New GMOs Report“ zeigt auf: Geringe Marktrelevanz und nur minimaler Beitrag zur Nachhaltigkeit

„Broken promises!“ wäre die Kürzestform der Mitte Mai beim Non-GMO Summit in Frankfurt vorgestellten 2. Fassung des „New GMOs Report“. Ein Jahr lang hatte das globale Redaktionsteam recherchiert – die reale Marktrelevanz der in vielen Kreisen mit enorm viel Lobbyismus hochgejubelten „Neuen Gentechnik“ (NGT) ist nach wie vor sehr bescheiden. Nur vier NGT-Pflanzen sind derzeit weltweit überhaupt im Anbau. Die von Befürwortern der aktuell geplanten Deregulierung mantramäßig gepriesene wertvolle Rolle von NGTs für Klimaschutz und Nachhaltigkeit findet schlichtweg nicht statt: Von den 108 aktuell in den Forschungs-Pipelines entwickelten NGT-Produkten weisen nur sechs (!) ein wenig Nutzen gegen die Klimakrise auf…

Die neue, umfassend aktualisierte Ausgabe des „New GMOs Report“ bietet aktuell den einzigen fundiert recherchierten Überblick über die aktuell angebauten NGT-Produkte, sowie über die aktuellen Entwicklungs-Pipelines für neue NGT-Produkte; inkl. einer genauen Clusterung in geografische Schwerpunkte wichtigste Pflanzenarten, die mit NGT-Verfahren verändert werden.

Der von ENGA (European Non-GMO Industry Association) gemeinsam mit der in der Schweiz arbeitenden Forscherin Dr. Eva Gelinsky (semnar) und dem US-amerikanischen Non-GMO Project herausgegebene Bericht stellt einige der Kernaussagen, mit denen die Deregulierungs-Befürworter die politische Debatte prägen wollen, kräftig in Frage.

  • Nach mehr als zehn Jahren Entwicklung, zunehmender politischer Aufmerksamkeit und gewaltigen Lobby-Budgets ist die kommerzielle Akzeptanz für NGT-Produkte nach wie vor sehr begrenzt. Weltweit werden derzeit nur vier NGT-Pflanzen angebaut. In den Forschungs-Pipelines befinden sich aktuell 108 Produkte, in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Keines davon wird allerdings kommerziell angebaut.
  • Auch die Zuversicht in bereits fertig entwickelte Produkte scheint enden wollend zu sein: In vielen Fällen wurden NGT-Pflanzen zwar zugelassen, doch sie werden einfach nicht angebaut… Manche der ersten NGT-Produkte wurden aus wirtschaftlichen Gründen und wegen schwacher Anbauergebnisse bereits wieder vom Markt genommen.
  • Ebenso wichtig – und: weitgehend unbeantwortet – ist die Frage, was NGT-Produkte tatsächlich leisten bzw. an konkretem Nutzen bringen. Obwohl in der politisch-gesellschaftlichen Debatte die Bedeutung der NGTs für Klimaschutz und Nachhaltigkeit intensiv getrommelt wird, weist bis heute keines der auf dem Markt befindlichen NGT-Produkte einen Nachhaltigkeitsnutzen auf. Während eine geringe Anzahl von NGT-Pflanzen in der Entwicklungs-Pipeline auf Merkmale für mehr Klimaresilienz abzielt, konzentriert sich Entwicklungen zuallermeist auf Eigenschaften wie Pestizidresistenz, Haltbarkeit oder Verhinderung von Braunwerden, z.B. bei Salat, Bananen oder Avocados.

„Der ‚New GMOs Report‘ zeigt: Es gibt eine enorme Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität – ‚Broken promises‘ also“, so Florian Faber, Geschäftsführer der ARGE Gentechnik-frei. „Auch nach rund 15 Jahren Entwicklung gibt es keine reale Marktakzeptanz. Und die vielen versprochenen Vorteile erinnern zwar an die Argumentation der 90er Jahre zur ‚alten Gentechnik‘ – finden sich aber in der Realität nicht wieder. Es ist seltsam, dass diese Produkte aktuell mit derart großem Druck in der EU komplett dereguliert werden sollen – gegen die Interessen der regionalen Landwirtschaft und gegen die Interessen der Konsument:innen!“

Lesen Sie hier den vollständigen Bericht.

Über den “New GMOs Report“

Herausgeber: Hans Eisenbeis, The Non-GMO Project (USA), Eva Gelinsky, Forscherin (CH), Heike Moldenhauer, ENGA (B).

Die Ausgabe 2026 ist bereits die zweite Fassung des Berichts. Dieser wendet sich primär an Landwirtschaft und Lebensmittel-Branche, um dieser einen frühzeitigen Einblick zu geben, mit welchen Produkten und Verfahren der Neuen Gentechnik in absehbarer Zeit auf dem Markt zu rechnen ist.

Der Bericht konzentriert sich auf neue GVO (und nicht auf „alte Gentechnik“ oder alte GVO: transgene GVO), die von EU-Institutionen auch häufig als „neue Genomtechniken“ bezeichnet werden, oder auf „Genom-Editierung“, ein Begriff, der in Nordamerika häufig verwendet wird, um GVO zu beschreiben, in die keine „fremde“ DNA eingebaut wurde.