Ohne Gentechnik, mit Auslauf: Auch so geht Schweinemast!

Quereinsteigerin als Landwirtin: Auf ihrem Familienbetrieb in Würmla/NÖ stellt die 36-jährige Viktoria Eichinger die Weichen für Nachhaltigkeit, Verantwortung und regionale Wertschöpfung.

Seit fast 20 Jahren zählt der Hof der Familie Eichinger, der sich nahe Würmla sanft in die Hügel- und Felderlandschaft des Mostviertels schmiegt, zu den heimischen Pionierbetrieben: Bereits im Jahr 2006 war es Josef Eichinger, der – als Branchen-Vorreiter – sich aus Überzeugung den ersten sechs Schweinemast-Betrieben anschloss, die ihren Hof für den niederösterreichischen Fleisch- und Schinkenproduzenten Berger Schinken komplett auf Gentechnik-freie Fütterung umstellten. „Dabei haben viele Überlegungen mitgespielt“, erinnert sich der 69-jährige Landwirt. „Ganz wichtig war mir, keine Soja zu verwenden, die aus dem Regenwald kommt. Und die Aussicht darauf, fremde Gene in eine andere Pflanze hineinzuverpflanzen, die taugt mir überhaupt nicht. Außerdem ist es immer wichtig, in seiner Branche ein Alleinstellungsmerkmal zu haben. Das ist viel wert!“

Vorreiter bei Gentechnik-freiem Schweinefleisch

Das Alleinstellungsmerkmal hat die Firma Berger Schinken, trotz anfänglich heftiger Kritik von Futtermittelwirtschaft und Kammern, konsequent beibehalten: Nach wie vor zählt der Familienbetrieb in vierter Generation, der jährlich rund 25.000 Tonnen Fleisch zu Schinken, Wurst und Frischfleisch verarbeitet, zu Österreichs führenden Qualitätsbetrieben, die auf den Einsatz der Gentechnik in der Schweine-Fütterung verzichten.

Mittlerweile hat mit Tochter Viktoria die nächste Generation das Sagen auf dem Eichinger-Hof übernommen. Mit kleinen Umwegen: Vorerst führte sie ihr Weg an FH Wieselburg, zum Studium für Marketing und Management, mit Schwerpunkt nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energiewirtschaft. „Über diese Themen bin ich dann doch wieder zurück auf den Hof gekommen, sind doch beide Aspekte aufs Engste mit der Landwirtschaft verbunden. Landwirt:in als Energiewirt:in – war und ist meine Vision. Ich habe rasch gespürt, wie viel ich dabei speziell in der Landwirtschaft zum Positiven verändern kann.“

Dem Tierwohl gehört die Zukunft

Seit die 36-jährige Mutter eines Sohnes den Betrieb übernommen hat, steht der Kurs in Richtung laufender Verbesserung des Tierwohls: „Da haben meine Eltern schon gut vorgearbeitet. Wir sind grundsätzlich ein konventioneller Betrieb, mit rund 1.000 Ferkeln in Aufzucht und 1.000 Mastschweinen. Meine Eltern haben bereits mit alternativeren Konzepten begonnen, der sogenannten Außenklima-Stallhaltung – offene Stallungen mit ständiger Frischluft und plan-befestigten Liegeflächen. Jetzt sind wir dabei, für die Tiere stroheingestreuten Auslauf ins Freie zu schaffen. Das ist unser Weg für die Zukunft.“

Auf die Entscheidung ihrer Eltern, bereits 2006 als einer der ersten Schweinemast-Betriebe der Gentechnik im Futtermittel konsequent den Stallriegel vorzuschieben, ist Viktoria immer noch stolz: „Für mich stehen dabei vor allem die sozioökonomischen und ökologischen Aspekte im Vordergrund: Mit dem Verzicht auf Gentechnik entscheide ich mich aktiv für eine regionale Wertschöpfungskette. Und diese hat enorm viele kleine Wechselwirkungen: So kommt bei uns ausschließlich Mais, Weizen und Getreide aus regionalem österreichischem Anbau zum Einsatz. Damit ist gewährleistet, dass die Zutaten Gentechnik-frei sind, da in Österreich ja kein genmanipuliertes Saatgut angebaut werden darf. Zusätzlich bringt dieser Fokus auf regionale Zutaten positiven Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft!“

Regionale Wertschöpfung und Konsumenten-Vertrauen

Denn eine kleinstrukturierte Landwirtschaft wie in Österreich könne nur dann resilient sein, wenn sie regional verankert ist und einen entsprechend hohen Qualitätsanspruch in allen Bereichen aufweist. „Nur mit besonderen und glaubwürdigen Qualitätsversprechen können österreichische Lebensmittel auf dem zunehmend europäisierten Markt mithalten“, ist Viktoria Eichinger überzeugt. „Das ist ja das Coole an der Gentechnik-freien Produktion. Die wirkt sich positiv in einer ganzen Reihe von Bereichen aus: mehr regionale Wertschöpfung, bessere Fruchtfolgen und natürlich auch bessere CO2-Werte.“

Auch bei der für die Schweinefütterung speziell relevanten Eiweißkomponente setzt die zielstrebige junge Landwirtin auf Nähe und Qualität: „Wir verwenden in unserer Futtermittelration bewusst ausschließlich europäischen, nicht gentechnisch veränderten Sojaschrot. Seit dem Jahr 2020 – mit Einstieg in das Berger Tierwohl Programm – ist unser gesamter Hof von Donau Soja zertifiziert.“

Die verpflichtende regelmäßige Kontrolle auf Gentechnik-Freiheit sieht Eichinger kaum als Belastung: „Kontrollen sind für uns relativ leicht abgehandelt, weil wir die Eiweißkomponente als zertifiziertes Ergänzungsfutter zukaufen. Das heißt, es werden bei uns Proben genommen und die Warenflüsse kontrolliert. Aber die wesentliche Kontrolle über Zusammensetzung und Herkunft des Futters läuft beim Lieferanten. Und meinem Futtermittellieferanten vertraue ich – der wird genau kontrolliert.“ Die Kontrollen seien wichtiger Faktor für das hohe Vertrauen der Konsument:innen in das Qualitätszeichen „Ohne Gentechnik hergestellt“.

Kunst schafft neue Berührungspunkte zwischen Stadt und Land

So bleibt denn neben der hohen Verantwortung für Qualität und Tierwohl auch ausreichend Zeit und Muße – nicht nur für die junge Familie, sondern auch für kulturelles Engagement: Seit fünf Jahren sind die drei Futtersilos des Eichinger-Hofs weithin sichtbar mit Urban-Street-Art-Designs aus der Serie „Würmlas Wände“ von Viktorias Jugendfreundin Katharina Christine Herzog verziert. Zu sehen sind eine säende Hand, eine sprießende Maispflanze und eine Aphrodite, die griechische Göttin der Schönheit und Fruchtbarkeit. Denn: Starke Frauen haben schon immer eine wichtige Rolle auf dem Hof der Familie Eichinger gespielt.

Und die will auch Viktoria annehmen: Wohin ihr Weg sie führen wird, steht noch nicht endgültig fest: „Das ist ein Bild, das jetzt gerade in mir entsteht. Ich will bewusst die Perspektive des Tieres sehen und dafür die aus meiner Sicht besten Voraussetzungen am Hof schaffen. Aber da gilt es natürlich, alle Dimensionen im Blick zu behalten: das Tierwohl, aber auch die Kosten und die Arbeitsabläufe am Hof.“

Copyrights:  Samuel Traber

Copyrights: Lukas Lottersberger

Copyrights: Viktoria Eichinger