Verabschiedung von Markus Schörpf

Mit dem Waldviertler Biobauern Markus Schörpf verabschiedet die ARGE Gentechnik-frei eine wahre Leitfigur, die in den letzten 26 Jahren, seit dem phänomenal erfolgreichen Gentechnik-Volksbegehren (1,227 Mio. Stimmen gegen Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittel), die Entwicklung der ARGE Gentechnik-frei und damit die Umstellung eines großen Teils der österreichischen Lebensmittel auf kontrolliert Gentechnik-freie Herstellung während der gesamten Warenstromkette maßgeblich mit geprägt hat. Bei der Generalversammlung am 27. Juni übergab Markus Schörpf die „Ohne Gentechnik“-Staffel an seinen Nachfolger Ingmar Höbarth.

„Markus Schörpf ist und war ein wesentlicher Garant für die Erfolgsgeschichte Gentechnik-freier Lebensmittel in Österreich und in Europa“, bringt es Florian Faber, Geschäftsführer der ARGE Gentechnik-frei bei der Verabschiedung im großen Kreise von Markus‘ Weggefährt:innen aus den letzten 50 Jahren auf den Punkt. „Markus war gleichzeitig das Herz und die Seele der ARGE Gentechnik-frei! Mit profunder Expertise und Klugheit, mit einer wertvollen Beharrlich­keit und Gelassen­heit und insbesondere mit außergewöhnlichem Kampfeswillen, gepaart mit großer Diskurs­­fähigkeit und geschickter Lösungskompetenz hat er die vielen Debatten und offenen Fragen bei der sehr komplexen und herausfordernden Umstellung auf ‚Ohne Gentechnik‘ immer wieder erfolgreich und sehr konsensorientiert gelöst. Mit der starken Vision eines biologischen und Gentechnik-freien Europas, mit hoher Wertschätzung für seine Gegenüber und mit ganz viel Engagement hat Markus in all den Jahrzehnten Unglaubliches geleistet. ‚Bio‘ und ‚Ohne Gentechnik hergestellt‘ wären ohne ihn keinesfalls so erfolgreich und wirkungsvoll, wie sie in Österreich geworden sind.“

In diesen 26 Jahren hat sich enorm viel verändert. Die ARGE Gentechnik-frei hat Maßgebliches in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion bewegt und Gentechnik-freie Lebensmittel letztendlich als wesentliches Qualitätsmerkmal österreichischer Produktion etabliert. Exemplarisch hier nur ein paar Highlights aus der Historie:

  • Der erste Ohne Gentechnik Standard weltweit, im September 1997 erarbeitet, ab Frühjahr 1998 im Lebensmittel-Codex verankert.
  • Die ersten Gentechnik-frei gekennzeichneten Produkte weltweit – 1998 als Bio-Produkte beim SPAR; ein Jahr später dann als erste konventionell Gentechnik-freie Produkte beim Bäcker Karl Hager in Murau
  • Die ersten Pionierbetriebe, die es im Jahr 2003 gewagt haben, ihre Produktion auf Gentechnik-frei umzustellen: Toni’s Freilandeier und die Tirolmilch. Anfangs noch mussten diese enorme Kritik aushalten – aus der Branche, aus manchen Kreisen der Landwirtschaftspolitik. Erst nach und nach, und auch dank der hartnäckigen und konsequenten Arbeit der ARGE Gentechnik-frei und anderer, ist es gelungen, ihre Rolle vom Branchen-Bösewicht, der sich auf etwas Neues und lange Ungewünschtes wie die Gentechnik-Freiheit einlässt, zum Pionier und Vorbild zu verändern.
  • In der Folge ist es gelungen, ganze Marktsegmente zu verändern und auf Gentechnik-frei umzustellen: Im Juni 2010 die komplette Milchproduktion, im September 2010 die komplette Eierproduktion. Nur wenig später, im März 2012, war dann auch die komplette Geflügelmast „Ohne Gentechnik hergestellt“. Das ist etwas, worum uns unsere Nachbarmärkte immer noch beneiden.
  • 2012 ist in enger Kooperation mit der ARGE Gentechnik-frei die Initiative Donau Soja entstanden, um den Gentechnik-freien, herkunftsgesicherten und nachhaltigen Sojaanbau in der Donauregion zu forcieren und zu fördern. Donau Soja hat sich in nur zehn Jahren zum starken und marktbestimmenden Player für eine europäische Eiweißversorgung etabliert.
  • Mittlerweile ist „Ohne Gentechnik hergestellt“ in Österreich geradezu zur Selbstverständlichkeit bei hochwertigen und naturbelassenen Lebensmitteln geworden: Mehr als 6.500 Produkte führen das Qualitätszeichen, das nun auf einer großen Bandbreite von Produkten zu finden ist: von Milch, Fleisch und Eiern bis zu Bier, Schnaps, Brot und Tiefkühlpizza.
  • Aber auch andere europäische Länder – allen voran Deutschland – haben den hohen Wert Gentechnik-freier Lebensmittel erkannt und vergleichbare Kennzeichnungssysteme auf den Markt gebracht.

Wie immer bei solchen Veränderungs- und Innovationsprozessen sind die Menschen, die dahinterstehen, der wesentliche Faktor, dass mutige, komplexe und auch ungewisse Vorhaben letztendlich hervorragend gelingen können – trotz vieler Widerstände und mehrfach heftigem Gegenwind. So auch bei Markus Schörpf und der Gentechnik-Freiheit.

Schon Dante Alighieri hat gesagt: „Der eine wartet, bis dass die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an und handelt.“ Und genau so jemand ist Markus Schörpf: Er schaut nicht zu – sondern er mischt sich ein. Er packt an. Und er lenkt und steuert behutsam – mit Bedachtheit, großer Bereitschaft zum Lernen und Verstehen – und vor allem mit ganz viel Herzblut und mit der Leidenschaft, das Richtige zu tun. Immer der Sache und dem Anliegen verbunden – die dem Eigeninteresse oder dem Stolz.

Die ARGE Gentechnik-frei hat Markus Schörpf enorm viel zu verdanken!

Chapeau, Markus!